baumstümpfig


 

baumstümpfig (Adj.): wie ein Baumstumpf sein, stumpf sein, aufmüpfig sein. Sich wie rottendes Holz gebären.

 

Nach einem Spätsommernachmittagsregen in einen Nadelwald schwanken und über einen Haufen verfallender Baumstümpfe stolpern. Durchtränkte Falten und Runzeln, dunstende Schächte und Schichten, feuchte Spalten und Höhlen lassen über den Waldboden verstreut Dampf ab.

Eine üppige Unordnung von Farben, Strukturen und Texturen, von nonkonformen Deformierungen; die unkultivierte Darstellung eines verlockenden ewigen Kreislaufes zwischen präzise gepflanzten Bäumen.

 

Stück für Stück diesen betörenden Kompositionen des Chaos verfallen, zusammenbrechen, loslassen, ächzen, abstürzen. Derart rottendes Holz verkörpern, sich aufführen und baumstümpfig werden.

 

 

 

To be treestumpy, to be a blunt stump, a stubborn stub. To behave like rotten wood

 

 

After a late summer afternoon rain to sway into a conifer forest and to stumble upon a bunch of decaying tree trunks. Scattered across the forest floor soaked folds and wrinkels, damp shafts and layers, moist crevices and caves are letting off steam.

 A thriving disarray of colours, structures and textures, of non-conforming deformations; the uncultivated display of an alluring eternal cycle in between precisely planted trees.

 

 To piece by piece be baited by these beguiling compositions of chaos, crumbling, releasing groaning, plummeting. As such to behave like rotten wood, to act up and to become baumstümpfig.

 

Location: Waldviertel, Lower Austria

 


 

...

sich wie rottend Kunstwerk gebärden

und langsam baumstümpfig werden.

 

In gedämpften Atemzügen

im Frieden eines Waldes liegen.

 

(aus: Waldatem, 2018)